In letzter Zeit hat sich meine Arbeit, das Gestalten von Multistakeholderdialogen, Fachgesprächen oder auch Bürgerbeteiligung zunehmend erweitert um die Facilitation von Teamklausuren und organisationsinternen Veranstaltungen.

Als Ethnologin weiß ich: man lernt viel über etwas durch Kontrastierung. Das nehme ich jetzt zum Anlass mal zu fragen: Was unterscheidet Facilitation in diesen unterschiedlichen Kontexten? Auf Basis meiner Erfahrungen und ohne Anspruch auf Vollständigkeit fallen mir sechs Punkte ein.

Die Dimensionen: Ein sehr offensichtlicher Unterschied ist, dass bei Multistakeholderdialogen oftmals sehr viele Beteiligte, teilweise über 100 Akteure über einen begrenzten Zeitraum ggf. wiederholt temporär zusammen kommen. Hingegen habe ich es bei Teamklausuren und Workshops mit einer deutlich überschaubareren Anzahl der Beteiligten zu tun, diese müssen allerdings u.U. über viele Jahre zumeist täglich miteinander umgehen und konstruktiv zusammenarbeiten.

Die Rolle der Teilnehmenden: Bei Multistakeholderdialogen nehmen die Beteiligten als Vertreter ihrer Institution oder für eine bestimmte gesellschaftliche Perspektive (Wirtschaft, Umwelt etc.) teil, d.h. sie können nicht für sich allein sprechen sondern müssen sich mit ihrer Institution rückkoppeln und können auch vertreten werden. In Teamklausuren sprechen die Personen für sich und neben den Inhalten spielt hier die Interaktion zwischen den Teilnehmenden eine größere Rolle wenn es darum geht,  dass das Team gut miteinander funktioniert und seine Ziele erreicht.

Die Vertraulichkeit: Multistakeholderdialoge finden häufig im Licht der Öffentlichkeit statt, teilweise sind die Medien dabei. Da gilt es eine gute Balance zu finden zwischen dem Bedürfnis der Teilnehmenden nach Vertraulichkeit und einem geschützten Raum für offenen Austausch und dem berechtigen Wunsch der Öffentlichkeit nach Transparenz und Information. Dieses Spannungsfeld gibt es in Teamklausuren nicht, dafür kommen hier die Hierarchie und das Verhältnis des Teams zur übrigen Organisation ins Spiel.

Die Hierarchie: Tendenziell kommen in Multistakeholderdialogen eher ähnliche Hierarchie- oder Funktionsebenen zusammen, jedoch aus ganz unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen. In Teams sind tendenziell eher unterschiedliche Ebenen oder Funktionen zusammen zu bringen. Hinzu kommt die Bedeutung der weiteren Hierarchieebenen in der Organisation des Teams.

Die Inhalte und Aufgabenstellungen: Die Multistakeholderdialoge die ich kennen gelernt habe (v.a. im Bereich Klimaschutz, Nachhaltige Entwicklung und Wassermanagement) folgen oft einem inhaltlich klar strukturierten Prozess, es geht darum Konflikte zu bearbeiten, Lösungen zu entwickeln, Entscheidungen vorzubereiten – auf transparente und nachvollziehbare Weise. Teamklausuren erlebe ich hier fluider – die  Bandbreite reicht von der strukturieren Planungsklausur über gemeinsame Strategieentwicklung und fachlichen Austausch bis hin zum Teamcoaching, d. h. ein Team bei seinen Prozessen auf der Meta-Ebene zu begleiten und die Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit in Bezug auf seine Funktion und Aufgaben zu stärken.

Die Rolle der Faciliation: Das ergibt sich aus den unterschiedlichen Aufgaben und ist in beiden Fällen sehr vielfältig. Tendenziell muss ich bei Multistakeholderdialogen viel inhaltlich mitdenken und strukturieren und ich muss in besonders hohem Maße darauf achten, dass der Prozess fair und transparent läuft, dass ich allparteilich agiere. Darüber hinaus gilt es die Kommunikation über die Ergebnisse gegenüber der Öffentlichkeit im Blick zu halten und die öffentliche Wahrnehmung des Prozesses zu beachten. In Teamklausuren kann ich meine Rolle stärker modulieren, je nach Aufgabenstellung und je nach dem wie der gemeinsame Prozess läuft. Dabei ist die Beobachtungsrolle stärker gefordert, denn es gilt neben der inhaltlichen Ebene die Kooperations- und Kommunikationsebene verstärkt mit im Blick zu halten und bei Bedarf zu adressieren. D